Karte 19 aus der Online-Umfrage von 2008

Karte 67 aus dem KSDS

Auf der KSDS-Karte 67 und der Karte 19 zeigt sich eine bunte Mischung verschiedener dialektaler Varianten für den Begriff Pfütze. Die Anzahl dominanter Worttypen ist auf der Karte 19 jedoch leicht rückläufig, und die Varianten Lüdere, Plumpi u. Ä. und Tümpel erscheinen auf der Karte 19 nicht mehr. Beim Vergleich der Karten fällt zudem auf, dass sich auf der neueren Karte 19 grössere Wortlandschaften abzeichnen als noch auf der Karte 67. Auffallend stark hat beispielsweise die Bezeichnung Glungge an Dominanz gewonnen. War das Verbreitungsgebiet von Glungge auf der Karte 67 überwiegend auf die Kantone Bern und Solothurn beschränkt, konnte es sich auf der Karte 19 in die angrenzenden Gebiete ausdehnen. Die Variante Glungge drängte dabei die im Berner Oberland vorherrschende Variante Glunte und die in den Kantonen Zürich und Unterwalden dominierende Wortform Gump(e) zurück. Auch Gunt(e) konnte seine Stellung vor allem im Kanton Uri und in den Nordostschweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen und Appenzell deutlich ausbauen.

Neben den Wortformen Glungge und Gunt(e) gewann auch die Bezeichnung Pfütze – wahrscheinlich in Anlehnung ans Hochdeutsche – an Bedeutung. Besonders deutlich nahm das Geltungsgebiet von Pfütze in den Kantonen Basel, Aargau, Zürich und Graubünden zu. Eine Verbreitungskarte würde zudem zeigen, dass der Worttyp Pfütze von Teilnehmenden aus der gesamten Deutschschweiz an der Online-Umfrage häufig genannt wurde. Interessanterweise scheint sich somit eine junge Entlehnung aus dem Hochdeutschen als gesamtschweizerdeutsche Variante zu etablieren. Während sich das Verbreitungsgebiet  von Pfütze, Gunt(e) und Glungge vergrösserte, wurde die Wortlandschaft von Gumpe merklich kleiner. Die Variante Gump(e) ist auf der KSDS-Karte 67 vor allem in den Kantonen Zürich, Thurgau, St. Gallen, Unterwalden und Graubünden grossflächig vorherrschend und geriet, wie die Karte 19 zeigt, von den sich dort ausbreitenden Wortformen Glungge, Gunt(e), Gu(u)dle und Pfütze unter Druck.

Die Vergrösserung der Wortlandschaften von Glungge, Gunt(e) und Pfütze führte zu einer Überlagerung regionaler Varianten, wobei diese meist nicht vollständig verdrängt wurden. Dieser Vorgang zeigt sich deutlich im Nordwesten der deutschen Schweiz: Auf der KSDS-Karte 67 sind auf dem Kantonsgebiet von Solothurn die Bezeichnungen Lüdere, Plumpi, Glungge, Glumpe und Gülle kartiert, auf der Karte 19 hingegen sind es nur noch die grossflächig dominanten Ausdrücke Glungge und Pfütze. Die kleinräumigen Ausdrücke verloren im Kanton Solothurn zwar ihre dominante Stellung, sie wurden jedoch – abgesehen von der Bezeichnung Lüdere – von den Gewährspersonen an der Online-Umfrage weiterhin angegeben. Der Vergleich der KSDS-Karte 67 mit der Karte 19 zeigt, dass der Ausdruck Gille im Kanton Wallis unverändert vorherrschend ist, wohingegen die Bezeichnung Gülle/Gille in mehreren Kantonen – besonders deutlich im Kanton Uri – von den sich ausbreitenden Ausdrücken Gunt(e) und Glungge überlagert wurde. Auffallend ist zudem, dass der Geltungsbereich verschiedener Wortformen für den Begriff Pfütze häufig nicht auf einzelne Gebiete beschränkt ist und viele Worttypen grossflächig und gleichzeitig neben anderen Varianten vorkommen. So gibt es in mehreren Regionen zwei und selten sogar drei verschiedene dominante Wortformen.