Karte 18 aus der Online-Umfrage von 2008

Die Bezeichnungen für Fangen spielen sind im Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz (KSDS) nicht kartiert, sondern in Listenform dargestellt (S. 142). Für einen Vergleich der arealen Verbreitung der einzelnen Varianten kann auf den Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) zurückgegriffen werden (Karte V 86). Beim Vergleich der SDS-Karte V 86 mit der Karte 18 wird deutlich, dass die Wortform Fangis in der deutschsprachigen Schweiz weiterhin vorherrschend ist. Die Ansicht beider Karten zeigt jedoch, dass es neben der Variante Fangis ein erstaunlich vielfältiges Bild von Mundartausdrücken gibt. Die grosse Anzahl unterschiedlicher Ausdrücke ist möglicherweise auf die Beliebtheit dieses einfachen Spiels und den kreativen Umgang der jungen Spielenden mit Sprache zurückzuführen, einhergehend mit der Tatsache, dass immer nur in einem kleinen Gebiet darüber gesprochen wird und kein grossräumiger Austausch nötig ist. Die Bezeichnungen nehmen dabei häufig – wie etwa die Ausdrücke Nochespringerlis und Fangis zeigen – auf Tätigkeiten während des Fangenspielens Bezug. Ein gutes Beispiel für die Vielfalt der dialektalen Bezeichnungen ist der Kanton Bern, in dem auf der Karte 18 über zehn verschiedene Bezeichnungen kartiert sind und neben der grossräumig dominanten Variante Fangis u. Ä. – besonders ausgeprägt im Berner Oberland – mehrere kleinere Wortlandschaften nebeneinander erscheinen.

Auf der SDS-Karte V 86 zeigt sich ein West-Ost-Gegensatz, der auf der Karte 18 weniger klar erkennbar ist. Auf der SDS-Karte V 86 sind im Osten der deutschsprachigen Schweiz meist Formen von Fangis kartiert und im Westen die Bezeichnungen Tschiggi u. Ä. und Ziggi u. Ä. Beim Vergleich der Karten fällt auf, dass die Variante Fangis u. Ä. auf der Karte 18 ihr Einflussgebiet vor allem im westlichen Teil der Deutschschweiz vergrössern konnte. So wurden beispielsweise bei der SDS-Befragung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft zehn verschiedene Bezeichnungen erfasst. An der Online-Umfrage nannten die Gewährspersonen aus den beiden Halbkantonen zwar Ausdrücke wie Hetzis, Jaagis und Tschiggis, diese sind jedoch auf der Dominanzkarte 18 nicht mehr kartiert, da sie von der sich ausbreitenden Wortlandschaft Fangis u. Ä. überlagert wurden. Auch im Kanton Bern drängt der Worttyp Fangis u. Ä. kleinräumigere Varianten zurück, wie etwa die Bezeichnung tschinggele u. Ä., welche auf der SDS-Karte V 86 im Berner Mittelland und Emmental noch klar vorherrschend ist. Der West-Ost-Gegensatz, der noch auf der SDS-Karte V 86 deutlich erkennbar ist, verliert durch die Vergrösserung der Wortlandschaft Fangis u. Ä. im westlichen Teil der Deutschschweiz an Schärfe. Der Vergleich der beiden Karten zeigt, dass sich der Ausdruck Fangis u. Ä. als gesamtschweizerdeutsche Variante weiter etablieren konnte, meistens ohne dabei die regionalen Wortformen zu verdrängen: Die meisten Varianten, die bei der SDS-Befragung genannt wurden, erscheinen auch auf der Karte 18, wenn zum Teil auch nur noch an vereinzelten Orten, wie die Beispiele Ja(a)gis, Totsch, Näggis oder gägge(ne) illustrieren. Gestützt wurde der Vormarsch der Bezeichnung Fangis u. Ä. möglicherweise durch die Anlehnung an die sowohl im Schweizerdeutschen, als auch im Hochdeutschen vorhandene Verbform fangen.